Viktoria & David Gerzen
Wie ein Abrissobjekt in Florshain neues Leben erhielt
Wie ein Abrissobjekt in Florshain neues Leben erhielt
2024
8
150
Als das Ehepaar 2021 auf das alte Gebäude stieß, war der erste Eindruck wenig vielversprechend. Zehn Jahre Leerstand hatten ihre Spuren hinterlassen. Trotzdem wagten sie den Schritt – nicht zuletzt, weil David Gerzen als Malermeister und Schreiner die baulichen Herausforderungen realistisch einschätzen konnte. Viktoria Gerzen betont: „Hinter der Projektfassade stecken viele idealistische Vorstellungen und kreative Ideen. Das Ferienhaus ist ein stiller Protest gegen die Vorstellung, dass auf dem Land und mit einem alten Fachwerkhaus kein Erfolg möglich sei.“.
Vom Abrisshaus zum Wohlfühlort
Drei Jahre dauerte der Umbau. Vieles stemmten die beiden nach Feierabend und an Wochenenden selbst. Immer wieder tauchten neue Baustellen auf: schimmelnde Lehmwände, durchwurmte Balken, geplatzte Wasserleitungen. Der Weg war nicht einfach, doch sie hielten an ihrem Traum fest. „Die Vision lebt im Namen unseres Ferienhauses – Sterntaler: Wir brachten Licht an einen längst vergessenen und sehr dunklen Ort.“, erzählt Viktoria Gerzen. Entstanden ist ein Wohlfühlort, der modernes Wohnen mit traditioneller Bauweise verbindet. Viel regionale Eiche – von der Küchenarbeitsplatte über Fensterbänke bis hin zum großen Esstisch – prägt die warme Atmosphäre. Statt synthetischer Materialien nutzten sie Holz, Lehm und Kalk aus der Region. Die Einrichtung mit Glas, Keramik, Baumwolle und Leder sorgt für ein gesundes Raumklima. Sie beschreibt das Haus als „einen Ort für Entspannung, Inspiration, Bildung, Reflektion und schöne gemeinsame Stunden mit Familie und Freunden – all das, was uns im hektischen Alltag oft entgleitet.“
Auch die Zusammenarbeit mit den beteiligten Handwerkerinnen und Handwerkern war geprägt von gegenseitigem Respekt und Kreativität – selbst unter erschwerten Bedingungen während der Coronapandemie, als Materialknappheit, Lieferverzögerungen und Krankheitsausfälle zur Tagesordnung gehörten.
Vor Projektbeginn sprachen die Gerzens oft über das „zweite Leben“ des Hauses. Eines Tages kam es im Altbau zu einem massiven Wasserschaden. Für Viktoria war das, als hätte das Haus selbst um Aufmerksamkeit gebeten – ein Signal, den Traum nicht länger aufzuschieben. Sie erinnert sich: „Die Woche darauf verbrachte ich mit Fördermittelrecherche, Kostenaufstellung und Bankgesprächen.“ Der Businessplan half, Struktur und Zwischenziele festzulegen. Mit der Förderzusage 2021 begann der Weg zum Sterntaler. Viktoria Gerzens Rat: „Einfach machen – aber mit Plan. Der erste Schritt sollte immer ein Konzept sein, das die Idee greifbar macht und die Angst vor dem Unbekannten nimmt. Die Visualisierung eigener Vorstellungen auf Papier bewirkt wahre Wunder.“
Heute lädt das Ferienhaus Sterntaler Gäste ein, die Seele baumeln zu lassen und den ursprünglichen Charme Nordhessens neu zu entdecken – und zeigt, wie historische Bausubstanz mit neuen Ideen wieder strahlen kann.