Friederike Körber
Hof in Dittershausen
Hof in Dittershausen
2021
75 m²
2
Zwei Häuser, ein Stück Zukunft
Friederike Körber ist in Dittershausen aufgewachsen und möchte bleiben. Sie wird den landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Familie übernehmen. Dafür brauchte es eine Lösung, bei der die ältere und die jüngere Generation auf dem Hof leben können und zugleich genügend Raum für sich haben. Die benachbarte Hofstelle mit ihren beiden Wohnhäusern bot genau diese Möglichkeit.
Nahe der Bushaltestelle und am Schwalmradweg liegt das Ensemble mitten im Dorfleben – und bietet trotzdem Ruhe. „Man kann alles verbinden, aber trotzdem so gestalten, dass sich jeder noch ausreichend zurückziehen kann“, beschreibt Friederike Körber die Qualitäten des Ortes.
Im Kleinen anfangen
Den Anfang machte das Ellerhaus. Ende 2020 gekauft, war es zwar noch bewohnbar, aber sanierungsbedürftig. Zuletzt hatten dort vor allem Pflanzen und Blumenkübel überwintert. Friederike Körber sah mehr darin: „Das Häuschen ist gerade durch die geringe Größe total ansprechend und schnuckelig. Das hat mir auch schon immer gefallen.“
Im Januar 2021 begann der Umbau. Gemeinsam mit ihrem Vater, ihren Schwestern und deren Partnern öffnete Friederike Körber den Grundriss, legte die Fachwerkdecke frei und arbeitete die alten Balken auf. Neue Träger und Stützen ermöglichten eine Wohnküche mit offenem Übergang zum Wohnzimmer.
Sanitär- und Elektroanschlüsse übernahmen Fachbetriebe, fast alles andere entstand in Eigenleistung. Dabei half die Erfahrung ihres Vaters, der seine Kinder schon früh bei Bauarbeiten einbezogen hatte. „Es ist immer hilfreich, wenn jemand, der in seinem Leben schon viel umgebaut hat, einem zur Seite steht.“
Altes bewahren, Eigenes schaffen
Vorhandene Materialien bekamen eine zweite Chance: Die alten Fichtendielen wurden abgeschliffen und ausgebessert, herausgenommene Backsteine an anderer Stelle wieder eingesetzt.
Im November 2021 zog Friederike Körber ein, bis zum Sommer 2024 folgten Terrasse und Bepflanzung. Damit war ein erster wichtiger Teil geschafft. Die Planung ging längst weiter: „Der Plan für das große Haus ist schon gewachsen, während wir an dem Ellerhaus am Umbauen waren.“
Ein Ensemble wächst Schritt für Schritt
Mit dem 2022 erworbenen Haupthaus folgt nun der größere Bauabschnitt. Das Einzelkulturdenkmal bietet für ein Fachwerkhaus aus dieser Zeit ungewöhnlich hohe Räume und direkten Zugang zum Innenhof. Hier möchte Friederike Körber langfristig wohnen. Unter der ehemaligen Durchfahrt sollen neue Kellerräume entstehen. Geplant sind außerdem eine energetische Sanierung, neue Fenster und Türen sowie eine Fußbodenheizung.
Die Aufgaben sind umfangreicher als im Ellerhaus. Neben ihrem Vater und ihrem Partner, der als selbstständiger Malermeister einen eigenen Betrieb führt, wirken weitere Bauunternehmen sowie Fachleute für Architektur, Statik und Energieberatung mit.
Auch die Finanzierung braucht Vorbereitung. Förderangebote wie "Stärkung alter Ortskerne" und Programme der KFW sind für Friederike Körber ein entscheidender Baustein: „Ohne solche Angebote wäre es mir nicht möglich gewesen, das Projekt in dieser Weise zu stemmen.“ Ihr Rat lautet deshalb, sich frühzeitig und gründlich über die Möglichkeiten zu informieren.
Dass das Ensemble über mehrere Jahre wächst, war von Anfang an klar. Für Friederike Körber liegt darin auch eine Chance: Ideen können reifen und Erfahrungen in den nächsten Bauabschnitt einfließen. Das Ellerhaus nennt sie deshalb liebevoll ihr „Probehaus“.
Bleiben und Neues möglich machen
Nach dem Umzug ins Haupthaus soll das Ellerhaus als Feriendomizil Gäste in der Schwalm willkommen heißen.
Für Friederike Körber ist das Projekt eng mit ihrer Entscheidung für das Dorfleben verbunden. Sie schätzt die Zusammenarbeit der landwirtschaftlichen Betriebe und den Zusammenhalt im Ort. Mit der Sanierung gestaltet sie ihr eigenes Zuhause und zugleich ein Stück Dittershausen.
Das Ellerhaus zeigt schon heute, was daraus werden kann. Das Haupthaus führt die Geschichte weiter. Wer selbst mit einem alten Gebäude liebäugelt, dem gibt Friederike Körber mit auf den Weg: „Wenn die Rahmenbedingungen passen, sollte man sich auch ruhig mal etwas trauen.“ Denn aus einem ersten überschaubaren Schritt kann eine Perspektive für einen ganzen Hof wachsen und man wird nie wissen, ob etwas geklappt hätte, wenn man es nicht probiert.